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Der Autor versichert, dass die auf ArtisteyeLive geposteten Texte nicht autobiographisch zu sehen sind und es sich um erfundene Geschichten und Begebenheiten handelt.

Donnerstag, 14. April 2011

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Wenn man 8 Stunden auf einen Flimmerkasten starrt, wird man nachtblind. Die Straße scheint vernebelt. Du räumst dir eine Sicherheitszone ein, vorn 20, hinten 20, dein Kind wartet zuhause, vorn 10, hinten 10, es fängt an zu regnen, Geschwindigkeit drosseln. Du kneifst deine Augen zusammen, um die Ausfahrt nicht zu verpassen.
Fünf Tage in der Woche bist du dem Summen der Rechner, dem Auf- und Zuschieben der Aktenschränke und dem Gekicher deiner Kollegen ausgesetzt, arbeitest zwischen Ablagen und Kaffeekocher in einer kleinen, engen Büronische, sehnst dich nach Ruhe, nach Abwechslung. Wenn du Glück hast, feiert die obere Etage einen gelungen Clou, du bist nicht eingeladen, aber für Kaffee und Kuchen zuständig.
Mannheim, Hessen; Hessen, Mannheim und wieder von vorn. Mein Sohn, Lucas, blieb in der Umzugswoche daheim, Oma und Opa kümmerten sich rührend um ihn, beschrieben seine Festplatte, sein kleines Kinderhirn, mit unterschwelligen Botschaften. Du kommst nachhause und es erwartet dich (der) Grund. Dieser zwang dich zum Auszug und dann zum Umzug. Eltern. Du hast einen Sohn, einen Job und eine Wohnung und denkst, du ständest auf eigenen Beinen. Dein Sohn, das Spannungsnetz, der Informationsträger der Dinge, die dir deine Eltern nie ins Gesicht sagen würden. Nur weg von hier. Der kleine, noch zu klein, um das zu verstehen.
Ich klopfe bereits das fünfte Mal an die Scheibe des Förtners. Hey, ich brauch den Schlüssel, rufe ich, aber keiner reagiert. Die Blechtür mit dem Wellglas neben mir ist völlig verbeult, es mussten schon einige davor gestampft haben. Mit Rufen und Schreien kommt man hier nicht weit (bum, bum). Etwas bewegt sich auf dem Wellgas hin und her, wendet und dreht sich. Mach auf, schrei ich (bum, bum). Meine Arbeit blieb diese Woche auf der Strecke (bum), Umzug (bum), Clou (bum) und nun hab ich die Schnauze voll!
Wenn du deinen Soll nicht erreichst, wartet der Förtner auf dich, haben sie gesagt, in seinem winzigen Glashaus und du darfst Samstag erneut auf der Matte stehen. Ein spezielles Programm solle für mehr Intimität innerhalb der Firma sorgen. Ein eigenes Programm verhindere Heimarbeit, leere Büroräume. Du kannst deine Arbeiten nicht mit nachhause nehmen, entweder dein Computer stürzt ab oder er zeigt dir Error, Datei beschädigt an.
Der Schatten kommt näher, scheint auf mich zu reagieren. Die Tür öffnet sich und vor mir steht ein alter Mann mit grauem Haar. Ich brauche den Schlüssel, sage ich. „Was“, fragt er. Den Schlüssel, verdammt.
Im Laufe des Lebens werden die Zellen so grau und dünn wie das Haar. In diesem Alter werden sie einfach nicht mehr ersetzt. Nase und Ohren hingegen, wachsen mit der sinkenden Wahrnehmung weiter.
In seiner Ohrmuschel steckt ein silbernes Miniaturraumschiff. Taub, schwerhörig, kein Wunder. Können sie ihr Hörgerät lauter stellen, frage ich und zeige auf sein Ohr. Nein, schreit er, es ist kaputt! Ich nenne ihn einen grauhaarigen, tauben Greis, während ich an ihm vorbei in seine Kabine zum Schlüsselschrank laufe und den Schlüssel vom Haken nehme. Auf den Straßen, sage ich, laufen die Obdach- und Arbeitlosen rum, suchend nach einer Beschäftigung oder Wohnung und sie genießen hier ihre Rente. „Ah, der Schlüssel“, lächelt er. Mein Kopf platzt gleich.
Ich sitze in einem Geisterhaus alleine in meiner Büronische. Auf allen Gegenständen kleben kleine Sticker mit dem verlogenen Firmenslogan: „Wir leben, damit sie es können“. Ich frag mich, was ich hier überhaupt mache und für wen.
Du reagierst auf eines dieser Werbegewinnspiele auf Google. Du verschickst eine Lüge, preist alles Schlecht an, bis die Leute glauben, es wäre aus ehrlicher Handarbeit gefertigt, und wenn du Glück hast, erhältst du eine Tasse, ein Rucksack oder irgendein billiges Kunststoffding mit deinem Slogan darauf. Du weißt nicht, ob du damit Wale gerettet oder gekillt hast. Du weißt nicht, ob diese Firma nun Schlüsselanhänger oder Frischhaltefolien produziert. Du weißt nur, dass es dir egal ist, solange du dein Gewinn bekommst.
Ich sollte nur noch nachts Arbeiten, das schont die Augen. Wenn ich wieder aufwache, wird es Sonntag sein und ich werde ihn mit Arbeit und Schlafen verbringen. Keine Zeit für meinen Sohn.
Burn-out. So stand es in den meisten Foren. Du brauchst Ruhe. Das ist völlig normal in dieser Gesellschaft, bla, bla^^
Wenn man sich den ganzen Tag mit den Problemen andere auseinandersetzt, um seine eigenen lösen zu können, glaubst du am Ende an Gott.
Mandy-...: Ich war noch nie ein kräftiger Mensch, immer recht zierlich und optisch zerbrechlich. Könnte das was damit zutun haben?
Locke-76: Wenn du dich auf Arbeit einwenig zurücklehnst und Atemübungen machst, also meditierst, sollte es dir besser gehen. Du bekommst mehr Sauerstoff und ruhige Glieder.
Das meinen die zwar, aber wirklich Ahnung haben die auch nicht. Es ist sehr selten, dass ein richtiger Arzt am anderen Ende sitzt und dir wirklich sinnvolle Ratschläge gibt. Die meisten rattern ihre Hobbyärzteweisheiten runter und wollen schlau rüberkommen. Wikipedia, Doc und Com.
Luzii-23 kritisiert den Ratschlag von Locke-76 und das eigentliche Thema, „Es fing alles mit Kopfschmerz an“, wird einfach übersehen. Dann gibt es nur noch Zoff.
Luzii-23: Sorry, aber du laberst echt großen Mist. Meditation? Auf Arbeit? Im Stessfall?
Locke-75: ...

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