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Der Autor versichert, dass die auf ArtisteyeLive geposteten Texte nicht autobiographisch zu sehen sind und es sich um erfundene Geschichten und Begebenheiten handelt.

Dienstag, 15. November 2011

Die Luft war kalt und scharf wie Rasierklingen. Ich fuhr mit dem Fahrrad auf Arbeit. Lieber hätte ich beim Arzt meines Vertrauens gesessen und mich krankschreiben lassen, aber den besaß ich nicht. Durch die Klingen, die ich einatmete, spürte ich nicht viel vom Rauch meiner Fluppe, dessen brennendes Ende vom Fahrtwind getrieben, den Fingern immer näher kam. Am vorherigen Tag liefen nur die Überlebenden einer Katastrophe auf der Straße. Eine Handvoll armer Überlebender auf der Suche nach Futter. Und dann, am nächsten Tag, musste ich mich durch die Massen drängen. Nur Gott weiß, wo die den Tag zuvor gewesen waren. Auf Arbeit angekommen, stieß man mir eine Bowling-Kugel an den Kopf.
"Na, bist du nicht aus dem Bett gekommen", sagte Gröj, der vorm Rechner saß und sein Brötchen fraß und wie jeden Tag eine Krümelspur hinterließ. Ich war vorbereitet. Im Kopf spielte ich die Szenen und Sätze durch, die ich ihm sagen würde. Und als es soweit war, stand ich nur da und hatte alles vergessen. Also sagte ich: "Ja, wurde gestern etwas spät. Hab eh nichts zutun!"
"Wie meinste das", fragte er und spannte über die Monitorkante, wie ich mich auszog.
"Gott", dachte ich, "ist der schwer von Begriff", und sagte, dass ich ins Leere laufe, dass man mich vor etwas setzt und ich ohne Infos daraus was machen soll. Ich sagte: "Gröj, ich bin nicht Jesus, ich kann aus Wasser kein Wein und aus Scheiße kein Gold machen." Ich sah ihn an, mein Herz klopfte. Kurz dachte ich darüber nach: "Ob, man das sieht?" Doch es schien mein voller Ernst zu sein. Ich sagte: "Lass uns gleich darüber reden, vorher mache ich mir aber einen Kaffee."
"Okay."
Jemand kochte Kaffee, ich dankte ihm und ging zurück zu Gröj. "Fresssack"!!!
"Wollen wir in der Küche reden", fragte ich.
"Nein, das können wir hier machen."
Das war ein Angebot von mir, denn ich wollte ihn nicht vor den Eklis zur Schnecke machen.
"Na gut", sagte ich und schlürfte meinen Kaffee. "Das Problem ist einfach, dass ich ins Leere laufe. Das war mit dem Flyer so und geht mit dem Text für die Internetseite weiter. Es wäre etwas anderes, wäre nicht schon alles so geschmacklos. Ihr setzt mich vor einen Haufen Scheiße und gebt mir den Auftrag, das Kartenhaus weiterzubauen? Verstehst du?" Er hat mich die ganze Zeit angeschaut, hat mir zugehört, das fand ich gut. Und Gröj sagte: "Aber es sollte dir klar sein, das ist eine Probearbeit für dich."
"Ja, weiß ich."
"Das heißt: Wir müssen erst einmal sehen, was du kannst, in welchen Produktionsbereich du dich am besten machst. Ein Kennlernprozess, okay?
"Hm, aber das ist die dritte Woche. Wie lange dauert so ein Kennlernprozess denn? Zwei Monate?
"Nein, das dauert nicht so lange, aber bisher war es noch nicht ganz klar ... "
"Was war nicht klar? Acht Stunden am Tag, vierzig in der Woche. Vielleicht: zwei Stunden produktives Arbeiten und der Rest ist planloses Dahinvegetieren. Ich meine, es ist nicht schwer mich zu überfordern, aber zu unterfordern? Das hätte mir einer vor zwei Wochen sagen sollen, den hätte ich ausgelacht."
"Ehr glaube ich, dass du überfordert bist. Fängst eine Sache an und beendest sie nicht." Ich blicke zur Tastatur. "Ja, mag sein, stimmt schon."
"Das, was du hier bisher gemacht hast, das war gut. Es mangelt dir an Wissen, was die Programme betrifft, aber das ist kein Problem. Das kann ich dir beibringen. Es muss nicht immer alles neu und anders sein. Auf erster Linie sollte es gut sein."
"Und überforderte Kunden sind gut?"
"Wieso überfordert?"
"Der Flyer, den du gemacht hast! Das ist nicht gut und nicht einfach, der ist schlecht. Und vor allem peinlich. Da setze ich meinen Namen darunter und alle Welt lacht mich aus. Oder was?"
"Warum sollte man dich auslachen?"
"Mein Flyer, meine Schande. Dein Flyer, deine Schande. Mit einer schlechten Vorlage kann keiner was anfangen. Zumindest nicht, wenn der Typ, der die Vorlage bot, hinter einem steht und dir seine Vorstellung aufdrückt."


Samstag, 9. Juli 2011

Dirty

Gestellte Fratzen. Aufgesetztes Äußeres.
Ich habe mich angemeldet, meinen Namen genannt, meine Straße, Geburtsdatum und Anliegen. Hab mich informiert, interessiert und plamiert.
Am nächsten Tag öffne ich einen überfüllten Briefkasten voller Werbebroschüren: SGD, ILS, weiterkommen mit Bildung usw. Zurück in der Wohnung. Hab's aufgerissen und Fratzen angestarrt, Coverboys und -gilrs. Ich sehe in die Augen fremder Burschen und hübscher Frauen. Die haben es geschafft. Sind jetzt Kaufleute, Bänker, Bürotiere im Bürozoo, näher am perfekten Leben als ich es je war. Blitzblank gestriegelt. Perfektsitzendes Haar, perfektes Lächeln und blendend weiße Zähne. Fehlt nur noch der kleine Schriftzug: Geputz mit Oraldent.
Bevor ich mich von diesem Monument vollkommener Menschen hinreisen lasse, frage ich mich, ob ich so sein möchte.
Ein Coverboy. Eine Reklame. Ein gestelltes Grinsen mit Vorbildfunktion.
Ja, ja, das möcht ich, irgendwie, irgendwann. Möchte mehr sein oder gar ein anderer Mensch. Nur nicht mehr ich.
Gleich anmelden und abschicken und dann heißt's: warten.

Tage später:

Das Geld wurde bereits abgehoben. Sind schnell, wenn's um's Geld geht. Habe noch keine Post.
Die brauchen einfach länger, sind sicher mein Geld im Puff versaufen. Kann ich verstehen, würd ich auch tun.
Kohle für's Briefmarkenanlecken und Abschicken. Leicht verdient. Nach getaner Arbeit gleich zum "Roten Horizont" mit Dirty Sanchez, Rodrigues und Houdini die Zeit vertreiben. Muss ein schönes Gefühl sein, alles in der Hand zu haben. Derweil wartet irgendwo einer mit sich selbst auf die Unterlagen.
Houdini täuscht an, schlägt zu. Hat ihr nicht gefallen. Aber Sanchez, ja, Sanchez hat den Dreh raus. Mit einem gezielten rechten Haken und einem Trubel. Das hat die Welt noch nicht gesehen.
Die Post war da, hat den Umschlag mit den ersten Aufgaben oder Informationen oder was weiß der Geier für Zeugs drin nicht durch die kleine Kastenluke bekommen und ihn einfach oben draufgelegt.
Zurück in der Wohnung. Hab's aufgerissen.
Keine Fratzen. Schlicht und einfach, weiß auf Schwarz.
Nach der dritten Seite bereue ich's. Ich verstehe nur Bahnhof.
Stopp and Go auf der Bildungstraße.
Dafür, dass ich nichts verstehe, bezahle ich nun jeden Monate über einhundertsechsig Euro und das 36-mal. Der Vertrag ist bindend. Aussteigen is' nich. Lernen geht nich. Bezahlen muss ich.

Montag, 2. Mai 2011

Hallo Leute, ich möchte etwas über diesen Blog und dessen Inhalte sagen.

Mir wurde letztlich unterstellt, ich sei ein Frauenfeind, ein Arschloch und noch einiges mehr. All das aufgrund eines oder mehrere Texte, die ich hier veröffentlicht habe. Deshalb werde ich ein paar Sätze zu diesen Beschuldigungen sagen:

!. Natürlich steckt in jedem Text ein wenig Persönliches. Ich säße vor einem weißen Papier müsste ich mir alles aus den Fingern saugen und schließlich bin ich nicht Steven King. Allerdings sind all die autobiographischen Inhalte, welche auch immer das sein sollen, weitaus schlimmer und dramatischer dargestellt, als sie es in Wirklichkeit sind. Schreiben soll neben dem Frust, der einem zum Schreiben bringt, auch etwas spaß machen. Das würde es aber nicht, gäbe ich nur das wieder, was ich wirklich empfunden oder erlebt habe. Nur weil ich in einem Text etwas anspreche oder einer Figur, die nicht immer ich selbst sein muss, eine festgelegte, unabänderliche Meinung verpasse, muss es nicht bedeuten, dass ich die Meinung so oder ähnlich vertrete. Wer würde sich ein Buch kaufen, wo alles und jeder genau dem flachen und langweiligen Schema der wirklichen Welt entspricht? Wenn ich eine Problem mit einer Frau habe, schreibe ich es übertrieben dargestellt und nicht so harmlos, wie es vielleicht war. Das ist halt meine Art. Deswegen bin ich doch noch kein Arschloch.

2. Wenn sich jemand von einen oder mehreren Texten negativ angesprochen fühlt, dann sollte er sich einen Moment zurücklehnen und darüber nachdenken, dass es bestimmt auch genauso viele gibt, denen er gefällt, weil der Text sie positiv anspricht.

3. Zu guter letzt ist es jedem selbst überlassen, was er in seinem Blog schreibt. Wenn es jemanden nicht gefällt, dann soll er die Seite schließen und sich eine neue suchen, die ihn positiv anspricht. Ich bleib dabei: Meine Sprache, meine Gedanken, meine Art sie festzuhalten.

Mit bester psychologischer Analyse von Marla Singer, die mich anhand dieser Texte zum Arschloch degradierte. Dir auch vielen Dank=P

Donnerstag, 14. April 2011

ArtisteyeLive präsentiert "Deutschland sucht die super Schoko-Nuss"

Man muss sie einfach lieben. Sie sind klein, bunt, süß und ab und zu völlig entstellt. Die Rede ist von dem bunden Dickmacher und Knabberspaß der dragierten Schocko-Erdnuss. Wer sich hin und wieder mal gerne gehen lässt, weiß von was ich rede. Denkt Ihr nicht manchmal auch: "Die sollte ich photographieren, aber wem soll ich die denn zeigen?" Natürlich mir! Ich setze Eure Nuss in Szene.
Wer die größte oder verrückteste Schoko-Nuss hat, gewinnt.


Macht ein Bild und Schickt Eure Nüsschen einfach an folgende E-Mail:


dsds.schokonuss@googlemail.com


und meldet Euch einfach auf


http://dsds-schokonuss.blogspot.com/ 


zur Wahl an. Viel Spaß!

So wie sie sein sollte, nur mit Bauch und `nem Typen an der Seite

Auf der Treppe fiel mir ein zusammengefaltetes Papier auf, ich zögerte nicht eine Sekunde, hob es auf, analysierte es in der Geschwindigkeit eines Hochleistungsprozessors und steckte es in meine Jackentasche. Gott, ich fand noch nie einen Schein, vielleicht ein paar Cents zwischen Bezügen gequetscht, die aus den Taschen ihrer Besitzer fielen, aber noch nie einen Schein. Ich rechnete mir kurz vor diesem Fund meinen Kontostand aus. Ich hatte noch kein Online-Banking und musste mir so den Weg zur Sparkasse machen, aber dazu hatte ich eigentlich nie wirklich Lust. Diese fünf Euro, dachte ich, sind fünf mehr als sonst. Ich schnappte mir eine Niedrig-Preis-Tüte, die auf dem Boden zwischen anderen lag und ging gleich darauf in die Kaufhalle, musste dann nur leider feststellen, dass ich so gut wie alles hatte. Auf Kaffee und Sahne hätte ich verzichten können und mein Deo lag ja auch irgendwo in meiner Bude rum, also was mach ich hier, dachte ich. Ich lief eine Weile umher, schaute in verschiedene Zeitschriften, las mir die Innhaltsstoffe von Hundefutter durch, schaute nach allem in meiner Preisklasseliegendem und entschied mich schlussendlich für zwei Sternburger, eine zuckerfreie Coca Cola, Granulatkaffee und einer Packung Milchpulver. Fünf Euro sollten dafür eigentlich reichen, dachte ich, aber nachzählen wollte ich nicht extra, da ich schon an der Kasse stand. Natürlich reichte es, vier Euro und ein paar Zerquetschte zahlte ich. Dann lief ich mit meiner Niedrig-Preis-Tüte nach Hause.

Diese ganze „lege deinen Penis vor der Lehrerin auf den Tisch Geschichte“ erinnerte mich an einen Freund. Es war so einer dieser letzten warmen Sommertage. Die Luft ein wenig kühl, das Sonnenuntergangsrot zeigte sich immer früher, aber bot ein jedem, der es sah, ein warmes Gefühl, wie zu Weihnachten Plätzchen, Tannenbäume, Schokolade oder ein Spaziergang über den Weihnachtsmarkt mit einer Tasse Glühwein vermochte, die Eiseskälte durch die Wärme von innen zu vergessen. An solch einen Tag bin ich also mit meinem Fahrrad zu einem Freund gefahren, der in einem Außenbezirk der Stadt wohnte. Wir hatten uns schon vor einer ganzen Weile ausgemacht, einen Tag etwas zusammen zu unternehmen, bei uns hieß das, vor der Konsole zu hocken, Bier zu trinken, viel zu rauchen. Seine Freundin war zu dieser Zeit im 5. oder 6. Monat und sie hatte schon ein ordentliches Bäuchlein. Sie sah uns gerne beim Blödeln zu, brachte sich in sinnlose Themen mit ein, spielte auf Mutti und machte uns leckere Tintenfischringe, für mich mit extra Ketchup. Ihre Anwesenheit war alles andere als störend. Daniel, so heißt mein Freund, und ich sind nicht die typischen Klischeetypen, die mit Frau keinen Spaß haben können. Ja, vielleicht wären wir es, aber nicht bei ihr, seiner Frau. Wenn sie nicht zwei Möbse auf ihrem Bauch balancieren könnte, während sie unserem Männergeschwätz lauscht und uns nebenbei noch mit Futter und Bier versorgen könnte, wäre sie wie alle andern Frauen und würde durch den Überschuss von Testosteron im Zimmer völlig ausrasten. Sie aber nicht, sie blieb ganz ruhig, lächelte und bediente uns. Der Tag wurde zur Nacht, der Mittag zum Abend. Daniel und mir kam es vor, als hätten sich die Tintenfischringe zusammengetan und würden unsere Speiseröhre hinaufklettern. Dazu kam das ständig Aufstoßen, welches durch die zahlreichen Schluckis hervorgerufen wurde. Uns war nicht gut, deshalb machten wir eine Pause. Wir setzten uns auf die Couch, so wie sich Männer ab einer bestimmten Menge Alkohol und Essen halt setzten und taten nichts, was für uns nun nicht wirklich problematisch war, da wir in diesen Bereich der Physik wahre Meister sind.


Kleiner Mann
Ich sollte mich an diesen Abend wieder einmal ärgern, über mich, über die Menschen, über alles.
Ich schlief aus, so weit man es ausschlafen nennen kann. Ich frag mich, was meine Generation darunter versteht und was die vorherige?
Ich saß ewig vor meinem Rechner, schaute Filme, wichste und versuchte, Kontakt zu wen auch immer aufzunehmen; ich versuchte es bei jedem. Irgendwann schaffte ich es Zottel ans Telefon zu bekommen.
Ich hänge zu oft mit ihm zusammen, mir wird inzwischen schlecht, wenn ich an ihn denke.
Ich fragte ihn, ob er zu mir einen Kaffee trinken kommt und wir danach – es war schön, die Sonne schien – mal zur Beisnitz laufen, um nach dem Hochwasser schauen. Eine Stunde später klingelte es an meiner Tür.
Meine Hände rochen nach meinen Eiern, die ich bis zu seinem Erscheinen massierte, während ich „Icy Tower“ spielte und einen Film schaute.
Ich ließ ihn rein, machte die Wohnungstür auf und setzte mich wieder auf meinen Platz vorm Rechner. Er kam rein, reichte mir die Hand und schloss hinter sich die Tür.
Wir verbrachten eine ganze Weile damit, einen neuen Icy-Tower-Rekord aufzustellen. Was wir noch machen wollten, hatte keiner vergessen: Kaffee trinken und Spazieren gehen, doch wir verloren uns in wesentlich sinnlosere Dinge, wie z. B. diesem kleinen Mann auf dem Monitor zu beobachten, wie er von Stufe zu Stufe springt und durch eine Combo mehrere mit einmal nahm. Ich musste mich noch duschen, wenigstens die Axeln und den Sack. Mein Körpergeruch litt unter meinem Schlafmangel, der mich die Woche immer zu verschlafen ließ.
Wenn man im früh eine Stunde zu spät aufwacht und denkt, das kann es ja wohl nicht sein, bleibt einem kaum noch genug Zeit, um sich für den Arbeitgeber eine Ausrede einfallen zulassen. Wann soll man sich da noch Waschen?
Wir sind noch nicht weit gekommen, aber schon zu weit entfernt und zu faul, vergessene Dinge nachzuholen. Meine Handschuhe lagen noch im Bad oder auf dem Schreibtisch oder Gott weiß, wo die lagen. Zottel zog, während ich über mich selbst schimpfte, mein Fernglas aus seiner Jackentasche. Einfach so, nicht einmal die Tasche für das Ding hatte er mitgenommen. Es war nicht mal meins, sondern das meines Vaters, der es mir hat großzügig ausgeliehen, damit ich sehe, ob es sich lohnen würde, ein eigenes zu kaufen. Dieser Arsch hat es einfach mitgenommen, ganz bewusst. Er dachte wohl, ich würde nein sagen, wenn er fragt. Also hat er mich hinterrücks ausgetrickst. Ich hätte mir das Ding schnappen sollen und es nach Hause bringen sollen. Ich fand es mies.

Alt+F4

Wenn man 8 Stunden auf einen Flimmerkasten starrt, wird man nachtblind. Die Straße scheint vernebelt. Du räumst dir eine Sicherheitszone ein, vorn 20, hinten 20, dein Kind wartet zuhause, vorn 10, hinten 10, es fängt an zu regnen, Geschwindigkeit drosseln. Du kneifst deine Augen zusammen, um die Ausfahrt nicht zu verpassen.
Fünf Tage in der Woche bist du dem Summen der Rechner, dem Auf- und Zuschieben der Aktenschränke und dem Gekicher deiner Kollegen ausgesetzt, arbeitest zwischen Ablagen und Kaffeekocher in einer kleinen, engen Büronische, sehnst dich nach Ruhe, nach Abwechslung. Wenn du Glück hast, feiert die obere Etage einen gelungen Clou, du bist nicht eingeladen, aber für Kaffee und Kuchen zuständig.
Mannheim, Hessen; Hessen, Mannheim und wieder von vorn. Mein Sohn, Lucas, blieb in der Umzugswoche daheim, Oma und Opa kümmerten sich rührend um ihn, beschrieben seine Festplatte, sein kleines Kinderhirn, mit unterschwelligen Botschaften. Du kommst nachhause und es erwartet dich (der) Grund. Dieser zwang dich zum Auszug und dann zum Umzug. Eltern. Du hast einen Sohn, einen Job und eine Wohnung und denkst, du ständest auf eigenen Beinen. Dein Sohn, das Spannungsnetz, der Informationsträger der Dinge, die dir deine Eltern nie ins Gesicht sagen würden. Nur weg von hier. Der kleine, noch zu klein, um das zu verstehen.
Ich klopfe bereits das fünfte Mal an die Scheibe des Förtners. Hey, ich brauch den Schlüssel, rufe ich, aber keiner reagiert. Die Blechtür mit dem Wellglas neben mir ist völlig verbeult, es mussten schon einige davor gestampft haben. Mit Rufen und Schreien kommt man hier nicht weit (bum, bum). Etwas bewegt sich auf dem Wellgas hin und her, wendet und dreht sich. Mach auf, schrei ich (bum, bum). Meine Arbeit blieb diese Woche auf der Strecke (bum), Umzug (bum), Clou (bum) und nun hab ich die Schnauze voll!
Wenn du deinen Soll nicht erreichst, wartet der Förtner auf dich, haben sie gesagt, in seinem winzigen Glashaus und du darfst Samstag erneut auf der Matte stehen. Ein spezielles Programm solle für mehr Intimität innerhalb der Firma sorgen. Ein eigenes Programm verhindere Heimarbeit, leere Büroräume. Du kannst deine Arbeiten nicht mit nachhause nehmen, entweder dein Computer stürzt ab oder er zeigt dir Error, Datei beschädigt an.
Der Schatten kommt näher, scheint auf mich zu reagieren. Die Tür öffnet sich und vor mir steht ein alter Mann mit grauem Haar. Ich brauche den Schlüssel, sage ich. „Was“, fragt er. Den Schlüssel, verdammt.
Im Laufe des Lebens werden die Zellen so grau und dünn wie das Haar. In diesem Alter werden sie einfach nicht mehr ersetzt. Nase und Ohren hingegen, wachsen mit der sinkenden Wahrnehmung weiter.
In seiner Ohrmuschel steckt ein silbernes Miniaturraumschiff. Taub, schwerhörig, kein Wunder. Können sie ihr Hörgerät lauter stellen, frage ich und zeige auf sein Ohr. Nein, schreit er, es ist kaputt! Ich nenne ihn einen grauhaarigen, tauben Greis, während ich an ihm vorbei in seine Kabine zum Schlüsselschrank laufe und den Schlüssel vom Haken nehme. Auf den Straßen, sage ich, laufen die Obdach- und Arbeitlosen rum, suchend nach einer Beschäftigung oder Wohnung und sie genießen hier ihre Rente. „Ah, der Schlüssel“, lächelt er. Mein Kopf platzt gleich.
Ich sitze in einem Geisterhaus alleine in meiner Büronische. Auf allen Gegenständen kleben kleine Sticker mit dem verlogenen Firmenslogan: „Wir leben, damit sie es können“. Ich frag mich, was ich hier überhaupt mache und für wen.
Du reagierst auf eines dieser Werbegewinnspiele auf Google. Du verschickst eine Lüge, preist alles Schlecht an, bis die Leute glauben, es wäre aus ehrlicher Handarbeit gefertigt, und wenn du Glück hast, erhältst du eine Tasse, ein Rucksack oder irgendein billiges Kunststoffding mit deinem Slogan darauf. Du weißt nicht, ob du damit Wale gerettet oder gekillt hast. Du weißt nicht, ob diese Firma nun Schlüsselanhänger oder Frischhaltefolien produziert. Du weißt nur, dass es dir egal ist, solange du dein Gewinn bekommst.
Ich sollte nur noch nachts Arbeiten, das schont die Augen. Wenn ich wieder aufwache, wird es Sonntag sein und ich werde ihn mit Arbeit und Schlafen verbringen. Keine Zeit für meinen Sohn.
Burn-out. So stand es in den meisten Foren. Du brauchst Ruhe. Das ist völlig normal in dieser Gesellschaft, bla, bla^^
Wenn man sich den ganzen Tag mit den Problemen andere auseinandersetzt, um seine eigenen lösen zu können, glaubst du am Ende an Gott.
Mandy-...: Ich war noch nie ein kräftiger Mensch, immer recht zierlich und optisch zerbrechlich. Könnte das was damit zutun haben?
Locke-76: Wenn du dich auf Arbeit einwenig zurücklehnst und Atemübungen machst, also meditierst, sollte es dir besser gehen. Du bekommst mehr Sauerstoff und ruhige Glieder.
Das meinen die zwar, aber wirklich Ahnung haben die auch nicht. Es ist sehr selten, dass ein richtiger Arzt am anderen Ende sitzt und dir wirklich sinnvolle Ratschläge gibt. Die meisten rattern ihre Hobbyärzteweisheiten runter und wollen schlau rüberkommen. Wikipedia, Doc und Com.
Luzii-23 kritisiert den Ratschlag von Locke-76 und das eigentliche Thema, „Es fing alles mit Kopfschmerz an“, wird einfach übersehen. Dann gibt es nur noch Zoff.
Luzii-23: Sorry, aber du laberst echt großen Mist. Meditation? Auf Arbeit? Im Stessfall?
Locke-75: ...

Kleiner Mann

Ich sollte mich an diesen Abend wieder einmal ärgern, über mich, über die Menschen, über alles.
Ich schlief aus, so weit man es ausschlafen nennen kann. Ich frag mich, was meine Generation darunter versteht und was die vorherige?
Ich saß ewig vor meinem Rechner, schaute Filme, wichste und versuchte, Kontakt zu wen auch immer aufzunehmen; ich versuchte es bei jedem. Irgendwann schaffte ich es Zottel ans Telefon zu bekommen.
Ich hänge zu oft mit ihm zusammen, mir wird inzwischen schlecht, wenn ich an ihn denke.
Ich fragte ihn, ob er zu mir einen Kaffee trinken kommt und wir danach – es war schön, die Sonne schien – mal zur Beisnitz laufen, um nach dem Hochwasser schauen. Eine Stunde später klingelte es an meiner Tür.
Meine Hände rochen nach meinen Eiern, die ich bis zu seinem Erscheinen massierte, während ich „Icy Tower“ spielte und einen Film schaute.
Ich ließ ihn rein, machte die Wohnungstür auf und setzte mich wieder auf meinen Platz vorm Rechner. Er kam rein, reichte mir die Hand und schloss hinter sich die Tür.
Wir verbrachten eine ganze Weile damit, einen neuen Icy-Tower-Rekord aufzustellen. Was wir noch machen wollten, hatte keiner vergessen: Kaffee trinken und Spazieren gehen, doch wir verloren uns in wesentlich sinnlosere Dinge, wie z. B. diesem kleinen Mann auf dem Monitor zu beobachten, wie er von Stufe zu Stufe springt und durch eine Combo mehrere mit einmal nahm. Ich musste mich noch duschen, wenigstens die Axeln und den Sack. Mein Körpergeruch litt unter meinem Schlafmangel, der mich die Woche immer zu verschlafen ließ.
Wenn man im früh eine Stunde zu spät aufwacht und denkt, das kann es ja wohl nicht sein, bleibt einem kaum noch genug Zeit, um sich für den Arbeitgeber eine Ausrede einfallen zulassen. Wann soll man sich da noch Waschen?
Wir sind noch nicht weit gekommen, aber schon zu weit entfernt und zu faul, vergessene Dinge nachzuholen. Meine Handschuhe lagen noch im Bad oder auf dem Schreibtisch oder Gott weiß, wo die lagen. Zottel zog, während ich über mich selbst schimpfte, mein Fernglas aus seiner Jackentasche. Einfach so, nicht einmal die Tasche für das Ding hatte er mitgenommen. Es war nicht mal meins, sondern das meines Vaters, der es mir hat großzügig ausgeliehen, damit ich sehe, ob es sich lohnen würde, ein eigenes zu kaufen. Dieser Arsch hat es einfach mitgenommen, ganz bewusst. Er dachte wohl, ich würde nein sagen, wenn er fragt. Also hat er mich hinterrücks ausgetrickst. Ich hätte mir das Ding schnappen sollen und es nach Hause bringen sollen. Ich fand es mies.

Warum?
Es ist ein schöner Tag inmitten schreiender, blutender Häufchen Elend. Ich schaue in die Tiefen meines Geistes, ich sehe ein ruhiges Wasserbett, eine Oase im Auge der Wüstenhose.
„Warum“, fragten sie, „wie kann man nur so grausam sein?“ Ich hätte ihnen in die Augen schauen sollen, ihnen sagen sollen, warum ich es tat. Ich hätte ihnen gesagt, es muss immer einen Ersten geben, aber wahrscheinlich hätte ich dann irgendwas auf den Kopf bekommen, Flaschen, Gemüse, Obst oder was man auch immer im Kühlschrank, im Besteckkasten findet.
Meine Psychologin meinte, ich solle Reue zeigen, mich bei allen entschuldigen, egal ob ich es ernst meine oder nicht. Wie schlecht. Sie leben im Hass, aber mit jeder Menge Kohle, das reicht ihnen. Mein Ziel habe ich nicht erreicht, sagte ich, aber ich war nah dran. „Was meinen sie“, fragte sie mich und ich, der Mörder, stand auf, ging zum Fenster und fragte sie, ob sie die Menschen, die hier arbeiten und leben kennt. Sie meinte, nein, warum? Ich erzählte ihr von einem Typen, den alle nur den Abweiser nannten.
Der Abweiser scheut, wen auch immer er vor sich hat. Er macht nur selten Ausnahmen. Ist seine Angst vor einen Menschen, deren Abscheu sie sich nicht vorstellen können, doch so groß, dass er einen Bogen um sie macht. Und ist er wegen einer durchzechten Nacht ganz benommen und lustig mit all seinen Ausnahmen unterwegs, die er um sich wie Bienen scharrt, so kann es auch mal vorkommen, dass er wie ein Irrer um sich schlägt, seine Kleidung von sich reißt, in Tränen ausbricht und sich fast die Augen auskratzt. Die Ausnahmen stehen dann um ihn herum, trinken, rauchen und feiern einfach weiter.
Der Abweiser zieht zur Erholung an salz`ge Meere, weil ihm da am wohlsten ist. Er mag die See und auch die Leute. Sie mögen Anfangs schroff erscheinen, nach einer Weile allerdings, sieht er es gelassen und hinter den Schorf. Wenn er abends in seiner Ferienwohnung, ganz vom Tag erschöpft, im Bett liegt und an die Heimat denkt, bekommt er glasig rote Augen und schnieft fürchterlich.
Diese Geschichte hat absolut nichts mit dem hier zutun, aber ich wollte sie einfach erzählen.
Wenn diese Egomanin mit ihrer Kohle nachhause geht, werde ich hinter meinem Gitter, auf meinem Klappergestell von Bett liegen und versuchen auf die Namen zu kommen, die Namen von meinen Opfern, von denen die es mehr verdienten als andere.
Ich habe es oft um Hilfe gebeten, doch niemand schien es zu interessieren, was ein 15-jähriger von sich gibt. Es sei nur pubertäres Gewäsch, dem man kein Glauben schenken sollte.
Ich informierte mich ...

JUNGE HÄHNE

Meine Beine hoben sich schwer und ich bemühte mich schon, sie nicht so hängen zu lassen, um nicht an einer der vielen Treppenstufen meines Weges zum Dachboden hängen zu bleiben und wie ein vom Wind angehauchtes Kartenhäuschen ungebremst, da meine Arme in meinem vor mich hin dösenden Zustand unbrauchbar sind, auf die Stufen zu knallen. Dabei ist es dieser nasennebenhöhlenreizend, beißende Geruch der Toiletten. Sollte man mal müssen, sollte man sich im Klaren sein, was das bedeutet. Diese Toiletten sind schon viele, viele jahrelang in Betrieb und das auch ohne Spülung und dennoch lösen sie, was auch immer in deren Öffnung gelangt, auf. Und die Scheiße, die daneben fiel, liegt da schon seit letztem Jahr, als meine Jungs und ich noch voll im Proberaum-Feeling waren und uns diese hygienischen Verhältnisse mit dem T-Shirt über der Nase am Arsch vorbeigingen. Inzwischen passiert in diesen Räumen nicht mehr viel, außer vielleicht, dass sich Insektenschwärme um die mit Schimmelpilz gefüllten, herumliegenden Bierflaschen, die sich über die Jahre zu Massen angesammelt haben, die Herrschaft über den Abstellraum an sich rissen. Wenn sie jetzt lernen, auf zwei Beinen zu gehen, haben wir ein Problem. Unsere Versuche, den Abstellraum und somit auch das Bandraumding wieder zu beleben, ging einige Male nach hinten los. Und nun laufe ich alleine die Treppen hoch, die wir so oft gemeinsam besoffen oder bekifft mit irgendwelchen Schlampen im Schleppe, die wir auf irgendwelchen beschissen langweiligen Partys kennengelernt haben, hinaufkrochen, dort mit denen gelabert und sie daraufhin auf der Couch – keine Ahnung, wo die her war, sie stand schon drin als wir zu Chris, dem Drumer unserer pseudo Band stießen – weiter vernaschten, soweit wir dazu noch imstande waren. Die Morgen danach sahen wir uns an und fragten uns, wie besoffen wir die Nacht gewesen sein mussten. Wir schauten auf die Couch auf denen sie dann meist noch schlafend lagen. Waren wir im Einfluss von Alkohol so Anspruchslos, dass wir so etwas mit uns nehmen würden. Es gab nur ein Wort, das alles zu beschreiben wusste. Fuck. Es sagte einfach alles aus: der Abend, die Nacht, der Alkohol bzw. Kiff bzw. beides und wahrscheinlich durcheinander und die Mädels. Wir vergaßen unsere brennenden Münder, die nach Wasser verlangten, wir vergaßen auch die Tatsache, dass wir kein Geld mehr hatten und uns nicht mehr als die trockenen Käsereste am Sandwitch-Maker als feste Nahrung blieben, wir vergaßen auch diesen stechenden Schmerz, als stände jemand hinter einem und versuche einen Nagel unbemerkt durch unsere Schädeldecke zu hämmern, wir vergaßen jedoch nicht, was da auf dieser milbenverseuchten Couch lag. Wir wollten einfach gehen, den Raum verlassen, vielleicht abschließen und warten, bis das, was darin auf uns lauerte, tot ist, aber vielleicht würden sie ja auch von selbst verschwinden, wenn sie niemanden finden. Das waren Zeiten, heißt es heute bei jedem Treffen, wenn wir durch sie in Erinnerung schweben, es nervt, aber man hängt irgendwie doch daran. Die Treppen lassen sich heute so schwer aufsteigen wir damals unter Alkohol. Ich habe das Ende erreicht und laufe den langen Flur, welcher auch an unserem unbesuchten und verlassenen Proberaum vorbeifüh

Routine

Ein mir bekanntes Geräusch weckte mich aus einem noch bekannteren Traum ohne Sorgen und Nöte, den ich gerne hätte weitergeträumt. Vielleicht könnte ich einfach weiterschlafen, wenn dieses Geräusch nicht wäre. Es liegt unten und brummt, vibriert und stört mich, also raffe ich mich mit schwerfälligem Griff zum Bettgitter auf, sorge dafür aufrecht zu stehen. Es fällt mir deutlich schwer, den behutsamen, warmen Brotkasten zu verlassen - muss einfach sein. Ich greife blind irgendeinen Halt, lass mich eigentlich nur fallen, doch es scheint wie gewolltes Herabsteigen. Ich schnappe mir ein kleines schwarzes Kästchen, es ist ein Handy. Auf dem Display erscheint eine Zeit, 8 Uhr blinkt auf, ich glaub ich sehe nicht richtig und wende meinen Blick auf anderes mir Zeit sagendes Gerät, dem Wecker, der wohl noch auf dem Bett liegt, da ich ihn nicht auf dem Schreibtisch sehe. Ich greife auf mein Bett, wische blindlinks hin und her und erhasche meinen Wecker, der sich mit derselben Zeit schmückt.

Die Umstände

Die Umstände werden umgangen, sie werden von uns allen gemieden, doch meidet man sie, büßt man mit dem Leben.

Es begann eines Tages, als sich die Gemeinde von Ludina in der Gemeindescheune zur „Großen Zählung“ sammelte. Die Weißen und deren junge Begleiterinnen sollten als die Ältesten und an Wissen reich Beschertesten die Macht, die sie besaßen, und das blühende Leben dieser Gemeinde ausstrahlen, wie stark diese Gemeinde doch war, wie viel Mann in ihr stecken musste. Macht machte sie dumm und gierig, wie es nur alte Männer sein konnten. Und in den Gesichtern dieser Mädchen an ihrer Seite, nicht älter als 15, strahlte es nicht, sie verschlossen krampfend Tränen und Leid hinter ihrer künstlichen Freud. Jeder Mann dieser Gemeinde wusste um die Finsternis, die diese Weißen um ihre Töchter brachten, doch schien ein jeder dieser Männer, es nicht sehen zu wollen. Sie, die Weißen, saßen ganz nah vor dem Zählerpult, an dem 5 Knappen, geboren, ausgebildet nur für diesen einen Tag – es war ein dunkler Tag dessen Wolken wie Wellen auf die Gemeinde zurollten - nur zum Zählen der Namen und der Verkündung des Ergebnisses. Phänomene, Löcher inmitten einer Schäfchenwolkenfrond, die bereits Tage zuvor Unheil beschwörend über sie alle trat, die Menschen erschaudern ließ.

Die Stadtliebe

Als erstes vibriert der Boden, dann die Gläser, die eine eigene kleine Flugshow haben, die Glasvitrine mit den vielen kleinen Ü-Ei-Figuren und wenn ich die Augen öffne sehe ich meinen Wecker auf dem grauen Teppich vibrieren und sich zuckend auf mich zu bewegen, dann schließe ich meine Augen und wickle mich in meine Blümchendecke ein. Wie ein verschütteter Bergsteiger unter Tonnen Schnee begraben liege ich da und warte darauf, dass der Zeiger Punkt 6 erreicht und wie eine Feuerwehrsirene losheult, das dauert noch ca. 5 Minuten. Die Bahn fährt 05:55 Uhr ein, lässt alles ob alt, jung, arm oder reich in sich eintreten, denn solange sie eine Fahrkarte besitzen, ist der äußerliche Zustand wie die große verschobene Nasen oder die zu kurzen Beine, fettiges, ungepflegtes Haar mit alldem, was darin käucht und fläucht vollkommen egal, wer in eine Straßenbahn steigt, kann nicht besser sein, als die die bereits darin sitzen, er kann keinen besser bezahlten Job haben oder einen unverwundbaren Körper wie Supermann und ist kein Supermodel. Sind alle eingestiegen, die sich an der Haltestelle versammelt hatten, schließen sich die Türen. Manchmal aber öffnen sie sich noch einmal für eine heran eilende alte Dame, die sich von ihrem dritten Bein verwirren ließ. Einige Bahnfahrer schließen die Türen und lächeln beim Vorbeifahren den Damen frech ins Gesicht und heben eine Hand zum Gruße. Der Wecker heult los, es ist um 6. Ich ziehe mit dem Ellenbogen den Rest Arm hinterher, schnappe mir mit wirren Bewegungen den schreienden Wecker und such mit den Fingern nach der Schnauzetaste. Ich hebe meinen Kopf, als hätte ich die ganze Nacht wild gefeiert und besoffen Art-Erhaltung betrieben, um meinem Finger bei der Suche nach der Taste zu helfen. Ist sie erst einmal gedrückt, hält er für 10 Minuten die Fresse, könnt ja sein, dass ich vor Müdigkeit noch einmal einschlafe und wenn ich es nicht tue und direkt aufstehe, durch mein Kastenzimmer laufe, um mich an einer der vielen Kästenkanten und -ecken zu stoßen, die auch Türen, Schränke und herumliegende Sachen haben, fängt er an, mich aus einer Meditationsphase, dem morgendlichen Stuhlgang, zu reißen, dann muss ich abbrechen und mich erneut in die Gefahr begeben, von Stuhlbeinen und herumliegenden Schuhen attackiert zu werden, nur damit er endlich Ruhe gibt. Die Nacht war kurz, dann schaffe ich es meist schneller als gewohnt aus Meiner Matratze, die sich zwischen Wand und allerhand Kartons voller ausrangierter Magazine verborgen hält. Die Decke ist hoch und lässt die warme Luft der Heizung bis zum Deckenrand weichen, davon habe ich nichts viel, da sich unten die kalte Luft staut. Meine Wohnung liegt im Erdgeschoss, so dass man vom Haus gegenüber eine wunderbare Sicht auf meinen frühs meist freiliegenden Hintern hat. Wenn ihnen mein Arsch gefällt, wird es sie nicht stören.

Einer bleibt

Mir war nicht ganz klar, wie ich hier her gekommen bin, und dass mit diesem Traum von einem Mädchen, welches sich vor mir ausstreckte, von daher schien es mir äußerst unwichtig zu sein, wieso ich in einem Zimmer und auf einem Hochbett, was meinem sehr ähnelte über sie gelehnt lag, ebenso wie sie, deren Körper mir so unfremd war wie mein eigener und ihr Bauch, der leer und unernährt vor mir blank lag. Ihre schmalen Augen bogen sich unter ihrem Lächeln zu kleinen Monden und schienen so, ihre Interesse zu mir auszustrahlen. Ich bin mir nicht mehr ganz im Klaren, über was wir geredet haben mussten, jedoch musste es sie erfreuen, deswegen gehe ich davon aus, dass wir nicht viel zum reden hatten, denn vielleicht ließen wir unsere Taten für uns sprechen. Ich muss ihr den Bauch mit der Hand abwärts gestrichen sein, denn ich konnte durch dessen Flachheit ihren Venushügel spüren, wie er durch ihre leichten Haufundabbewegungen sich meiner Hand entgegenstreckte und mir Ihrer anbot. Außer uns beiden war noch jemand im Raum, ich sah nur kurz über das Bettkitter hinunter, wo noch jemand auf einem zweiten Bett, jedoch ein normales, mit einem Mädchen sich zu vergnügen schien. Das alles interessierte mich nicht, denn meine Hände fanden auf dem Weg über die weiche Haut des Mädchens immer neue mir bekannte Eigenschaften.

Im Querschnitt


bumm. mich haut’s aus den socken. ich liege im dreck, mein kopf verdreht, meine knochen gebrochen. „intensivstation“, sagt einer, als sie mich durch den hellen, mich blendenden flur fahren. ich merk nicht mehr viel. „was war’s denn“, meint einer. das war’s, denk ich und fang an, einen schönen gedanken zu suchen, erdbeerkuchen, schokosoße mit eis und ein bach im grünen. ich wache auf, ich höre ein geräusch, so ein beatmungspumpen geräusch. ich will mich aufrichten, aber ... kennen sie phantomschmerzen oder –gefühl, wenn man verlassen wurde oder ein arme verloren hat. es fühlt sich an, als wäre er noch da, aber da ist keiner, der mir die tüten trägt. so fühlt es sich an. nur schlimmer, denn ich habe nichts verloren, hab noch alles und kann’s nicht nutzen

Mittwoch, 13. April 2011

Eine Schande


Ich bin eine Schande für meine Eltern; ich blättere in den alten „Beate Use Katalogen“, die ich meiner Mutter vor vielen Jahren aus der Ablage nahm und hole mir dabei einen runter. Ich bin das schwarze Schaf der Familie. Ein blondes Miststück hält einen riesigen, blauen Dildo in der Hand und schaut mit einem Mix aus Entsetzten und Erstaunen in die Kamera. Total daneben, mehr als bescheuert, aber wer will schon beim Wichsen nachdenken. Auf der letzten Seite wird für lebensgroße Barbiepuppen geworben. Große Jungs spielen auch mit Puppen, wenn es keine echten sind, dann die aus elastischen Material, irgendein Gummi, sehr hautnah, sehr getreu mit Liebe zum Detail angefertigt für Menschen wie mich. Zweitausend kostet die einfachste; diese hat dann kein Vibro-Ei, wie die kleinen Motoren mit Halbkreis genannt werden, diese zucken nicht, wenn man das Gummi in Erregung versetzt, diese stöhnen und schreien nicht, sie sind einfach nur da, hautnah. Man könnte sich den Play-Station-Controller nehmen und den kleinen Vibrationsmotor ausbauen, doch in welches Loch soll man ihn stecken? So könnte man Geld sparen. Wenn ich so eine Barbie hätte, kommt mir in den Sinn, käme ich gar nicht mehr raus, läge nur noch mit Barbie in meinem Bett und würde sie nehmen, von allen Seiten, von hinten, oral, verbal, kausal. Je länger ich darüber nachdenke, umso trauriger werde ich, denn ich kann mir selbst die billigste nicht leisten. Doch den Gedanken verdränge ich schnell wieder, ich denke nur noch an die hemmungslose Leidenschaft, ohne Angst, ohne Verzweiflung, ohne als Versager dazustehen. Die perfekte Alternative zur modernen Frau; die verhalten sich, als wären sie die Prinzessin auf der Erbse; die werden uns Männer eines Tages in Grund und Boden stampfen, da sie genau wissen, niemand kann ihnen etwas. Und wenn der Tag kommt, werden es die Männer sein, die schon immer gegen den Feminismus waren, die überleben, abgeschieden in einem verlassenen Dorf, als Kommune. Ich verfluche die Männer, die den Frauen Rechte gaben, die aufhörten, sie zu schlagen, durch die sich die Frauen einfach alles erlauben können, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen. Das mag für manch eine erschreckende Theorie sein, für andere klingt es bestimmt Frauenfeindlich, fast rassistisch. Mir egal, ich weiß am besten, was das besten wäre.