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Der Autor versichert, dass die auf ArtisteyeLive geposteten Texte nicht autobiographisch zu sehen sind und es sich um erfundene Geschichten und Begebenheiten handelt.

Donnerstag, 14. April 2011

Kleiner Mann

Ich sollte mich an diesen Abend wieder einmal ärgern, über mich, über die Menschen, über alles.
Ich schlief aus, so weit man es ausschlafen nennen kann. Ich frag mich, was meine Generation darunter versteht und was die vorherige?
Ich saß ewig vor meinem Rechner, schaute Filme, wichste und versuchte, Kontakt zu wen auch immer aufzunehmen; ich versuchte es bei jedem. Irgendwann schaffte ich es Zottel ans Telefon zu bekommen.
Ich hänge zu oft mit ihm zusammen, mir wird inzwischen schlecht, wenn ich an ihn denke.
Ich fragte ihn, ob er zu mir einen Kaffee trinken kommt und wir danach – es war schön, die Sonne schien – mal zur Beisnitz laufen, um nach dem Hochwasser schauen. Eine Stunde später klingelte es an meiner Tür.
Meine Hände rochen nach meinen Eiern, die ich bis zu seinem Erscheinen massierte, während ich „Icy Tower“ spielte und einen Film schaute.
Ich ließ ihn rein, machte die Wohnungstür auf und setzte mich wieder auf meinen Platz vorm Rechner. Er kam rein, reichte mir die Hand und schloss hinter sich die Tür.
Wir verbrachten eine ganze Weile damit, einen neuen Icy-Tower-Rekord aufzustellen. Was wir noch machen wollten, hatte keiner vergessen: Kaffee trinken und Spazieren gehen, doch wir verloren uns in wesentlich sinnlosere Dinge, wie z. B. diesem kleinen Mann auf dem Monitor zu beobachten, wie er von Stufe zu Stufe springt und durch eine Combo mehrere mit einmal nahm. Ich musste mich noch duschen, wenigstens die Axeln und den Sack. Mein Körpergeruch litt unter meinem Schlafmangel, der mich die Woche immer zu verschlafen ließ.
Wenn man im früh eine Stunde zu spät aufwacht und denkt, das kann es ja wohl nicht sein, bleibt einem kaum noch genug Zeit, um sich für den Arbeitgeber eine Ausrede einfallen zulassen. Wann soll man sich da noch Waschen?
Wir sind noch nicht weit gekommen, aber schon zu weit entfernt und zu faul, vergessene Dinge nachzuholen. Meine Handschuhe lagen noch im Bad oder auf dem Schreibtisch oder Gott weiß, wo die lagen. Zottel zog, während ich über mich selbst schimpfte, mein Fernglas aus seiner Jackentasche. Einfach so, nicht einmal die Tasche für das Ding hatte er mitgenommen. Es war nicht mal meins, sondern das meines Vaters, der es mir hat großzügig ausgeliehen, damit ich sehe, ob es sich lohnen würde, ein eigenes zu kaufen. Dieser Arsch hat es einfach mitgenommen, ganz bewusst. Er dachte wohl, ich würde nein sagen, wenn er fragt. Also hat er mich hinterrücks ausgetrickst. Ich hätte mir das Ding schnappen sollen und es nach Hause bringen sollen. Ich fand es mies.

Warum?
Es ist ein schöner Tag inmitten schreiender, blutender Häufchen Elend. Ich schaue in die Tiefen meines Geistes, ich sehe ein ruhiges Wasserbett, eine Oase im Auge der Wüstenhose.
„Warum“, fragten sie, „wie kann man nur so grausam sein?“ Ich hätte ihnen in die Augen schauen sollen, ihnen sagen sollen, warum ich es tat. Ich hätte ihnen gesagt, es muss immer einen Ersten geben, aber wahrscheinlich hätte ich dann irgendwas auf den Kopf bekommen, Flaschen, Gemüse, Obst oder was man auch immer im Kühlschrank, im Besteckkasten findet.
Meine Psychologin meinte, ich solle Reue zeigen, mich bei allen entschuldigen, egal ob ich es ernst meine oder nicht. Wie schlecht. Sie leben im Hass, aber mit jeder Menge Kohle, das reicht ihnen. Mein Ziel habe ich nicht erreicht, sagte ich, aber ich war nah dran. „Was meinen sie“, fragte sie mich und ich, der Mörder, stand auf, ging zum Fenster und fragte sie, ob sie die Menschen, die hier arbeiten und leben kennt. Sie meinte, nein, warum? Ich erzählte ihr von einem Typen, den alle nur den Abweiser nannten.
Der Abweiser scheut, wen auch immer er vor sich hat. Er macht nur selten Ausnahmen. Ist seine Angst vor einen Menschen, deren Abscheu sie sich nicht vorstellen können, doch so groß, dass er einen Bogen um sie macht. Und ist er wegen einer durchzechten Nacht ganz benommen und lustig mit all seinen Ausnahmen unterwegs, die er um sich wie Bienen scharrt, so kann es auch mal vorkommen, dass er wie ein Irrer um sich schlägt, seine Kleidung von sich reißt, in Tränen ausbricht und sich fast die Augen auskratzt. Die Ausnahmen stehen dann um ihn herum, trinken, rauchen und feiern einfach weiter.
Der Abweiser zieht zur Erholung an salz`ge Meere, weil ihm da am wohlsten ist. Er mag die See und auch die Leute. Sie mögen Anfangs schroff erscheinen, nach einer Weile allerdings, sieht er es gelassen und hinter den Schorf. Wenn er abends in seiner Ferienwohnung, ganz vom Tag erschöpft, im Bett liegt und an die Heimat denkt, bekommt er glasig rote Augen und schnieft fürchterlich.
Diese Geschichte hat absolut nichts mit dem hier zutun, aber ich wollte sie einfach erzählen.
Wenn diese Egomanin mit ihrer Kohle nachhause geht, werde ich hinter meinem Gitter, auf meinem Klappergestell von Bett liegen und versuchen auf die Namen zu kommen, die Namen von meinen Opfern, von denen die es mehr verdienten als andere.
Ich habe es oft um Hilfe gebeten, doch niemand schien es zu interessieren, was ein 15-jähriger von sich gibt. Es sei nur pubertäres Gewäsch, dem man kein Glauben schenken sollte.
Ich informierte mich ...

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