Posts-Info

Der Autor versichert, dass die auf ArtisteyeLive geposteten Texte nicht autobiographisch zu sehen sind und es sich um erfundene Geschichten und Begebenheiten handelt.

Donnerstag, 14. April 2011

JUNGE HÄHNE

Meine Beine hoben sich schwer und ich bemühte mich schon, sie nicht so hängen zu lassen, um nicht an einer der vielen Treppenstufen meines Weges zum Dachboden hängen zu bleiben und wie ein vom Wind angehauchtes Kartenhäuschen ungebremst, da meine Arme in meinem vor mich hin dösenden Zustand unbrauchbar sind, auf die Stufen zu knallen. Dabei ist es dieser nasennebenhöhlenreizend, beißende Geruch der Toiletten. Sollte man mal müssen, sollte man sich im Klaren sein, was das bedeutet. Diese Toiletten sind schon viele, viele jahrelang in Betrieb und das auch ohne Spülung und dennoch lösen sie, was auch immer in deren Öffnung gelangt, auf. Und die Scheiße, die daneben fiel, liegt da schon seit letztem Jahr, als meine Jungs und ich noch voll im Proberaum-Feeling waren und uns diese hygienischen Verhältnisse mit dem T-Shirt über der Nase am Arsch vorbeigingen. Inzwischen passiert in diesen Räumen nicht mehr viel, außer vielleicht, dass sich Insektenschwärme um die mit Schimmelpilz gefüllten, herumliegenden Bierflaschen, die sich über die Jahre zu Massen angesammelt haben, die Herrschaft über den Abstellraum an sich rissen. Wenn sie jetzt lernen, auf zwei Beinen zu gehen, haben wir ein Problem. Unsere Versuche, den Abstellraum und somit auch das Bandraumding wieder zu beleben, ging einige Male nach hinten los. Und nun laufe ich alleine die Treppen hoch, die wir so oft gemeinsam besoffen oder bekifft mit irgendwelchen Schlampen im Schleppe, die wir auf irgendwelchen beschissen langweiligen Partys kennengelernt haben, hinaufkrochen, dort mit denen gelabert und sie daraufhin auf der Couch – keine Ahnung, wo die her war, sie stand schon drin als wir zu Chris, dem Drumer unserer pseudo Band stießen – weiter vernaschten, soweit wir dazu noch imstande waren. Die Morgen danach sahen wir uns an und fragten uns, wie besoffen wir die Nacht gewesen sein mussten. Wir schauten auf die Couch auf denen sie dann meist noch schlafend lagen. Waren wir im Einfluss von Alkohol so Anspruchslos, dass wir so etwas mit uns nehmen würden. Es gab nur ein Wort, das alles zu beschreiben wusste. Fuck. Es sagte einfach alles aus: der Abend, die Nacht, der Alkohol bzw. Kiff bzw. beides und wahrscheinlich durcheinander und die Mädels. Wir vergaßen unsere brennenden Münder, die nach Wasser verlangten, wir vergaßen auch die Tatsache, dass wir kein Geld mehr hatten und uns nicht mehr als die trockenen Käsereste am Sandwitch-Maker als feste Nahrung blieben, wir vergaßen auch diesen stechenden Schmerz, als stände jemand hinter einem und versuche einen Nagel unbemerkt durch unsere Schädeldecke zu hämmern, wir vergaßen jedoch nicht, was da auf dieser milbenverseuchten Couch lag. Wir wollten einfach gehen, den Raum verlassen, vielleicht abschließen und warten, bis das, was darin auf uns lauerte, tot ist, aber vielleicht würden sie ja auch von selbst verschwinden, wenn sie niemanden finden. Das waren Zeiten, heißt es heute bei jedem Treffen, wenn wir durch sie in Erinnerung schweben, es nervt, aber man hängt irgendwie doch daran. Die Treppen lassen sich heute so schwer aufsteigen wir damals unter Alkohol. Ich habe das Ende erreicht und laufe den langen Flur, welcher auch an unserem unbesuchten und verlassenen Proberaum vorbeifüh

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen